Im Zeichen der Menschlichkeit

Ungeheuer ist viel. Doch nichts
Ungeheurer als der Mensch.

Sophokles, Antigone

 

Dieses Buch erzählt von einer unwahrscheinlichen Institution. Keiner der fünf ehrenwerten Herren, die vor 150 Jahren in einem Genfer Patrizierhaus zusammenkamen, um über die Gründung von Hilfsgesellschaften für verwundete Soldaten zu beraten, konnte ahnen, wohin die Reise unterm Zeichen des Roten Kreuzes gehen würde.
Doch die Bewegung wuchs und gewann mit jedem Krieg und jeder Katastrophe an Gewicht. Das DRK war von Beginn an maßgeblich an dieser Mobilmachung der Menschlichkeit beteiligt. Zugleich aber spielte es aufgrund der unheilvollen deutschen Geschichte eine problematische Rolle. Tugend, Tüchtigkeit und Täuschung lagen beunruhigend nah beieinander.

Angefangen mit Henry Dunants Erinnerung an Solferino hat die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung einen reichen Schatz an Selbstzeugnissen, Tagebüchern und Augenzeugenberichten hervorgebracht. Sie bilden das Herzstück meines Buches. Es sind Berichte aus vorderster Front, von Schauplätzen historischer Ereignisse – erzählt von Menschen, für die der Ausnahmezustand der Normalfall war und ist. Ihre Erlebnisse besitzen exemplarischen Charakter, sie spiegeln mehr als nur die Geschichte einer Hilfsorganisation. Wer will, kann sie als die Memoiren einer schwierigen Nation lesen, gesehen und erzählt durchs Medium des Roten Kreuzes.

Das Buch kam zum 150jährigen Bestehen der Hilfsorganisation im Oktober 2013 bei der Deutschen Verlags-Anstalt heraus. Mittlerweile ist eine zweite Auflage erschienen, so daß die Gesamtauflage nun bei rund 24.000 Exemplaren liegt. Die erste Lesung fand im Oktoberim Literaturhaus Stuttgart statt - der Württembergische Sanitätsverein war seinerzeit die weltweit erste nationale Rotkreuzgesellschaft.

 

Stefan Schomann, Im Zeichen der Menschlichkeit

Geschichte und Gegenwart des Deutschen Roten Kreuzes

Deutsche Verlags-Anstalt, München, 2013
384 Seiten, gebunden, 15,0 x 22,7 cm, mit ca. 100 historischen s/w-Abbildungen und 32 Seiten Farbbildteil (Fotos: Jörg F. Müller)
ISBN: 978-3-421-04609-3
€ 24,99 (D),| € 25,70 (A), CHF 35,50 (CH)

auch als e-book erhältlich

 

Ein Beispiel für die Eindringlichkeit solcher Berichte aus erster Hand gibt auch das Tagebuch, das Carl-August Graf von Drechsel von 1914 bis 1919 geführt hat.

Er betreute die Verwundetenversorgung im Frontabschnitt hinter Verdun. Sein Bericht gibt einen direkten Einblick in das gigantische Räderwerk der Kriegsmaschinerie - aber aus Sicht der verletzten Soldaten. Allein die Bayerische Armee hatte im Verlauf des Krieges über 400.000 Verwundete zu versorgen.

Dieses ungewöhnliche Zeitdokument habe ich 2014 im Verlag Friedrich Pustet herausgegeben – mehr darüber finden Sie hier.