Aktuelles

Einsatz in Fernost

Gemeinsam mit Professor Rainer Schlösser habe ich in den  Beiträgen zur Rotkreuzgeschichte  einen Band über das deutsche Krankenhaus in Busan herausgegeben. Es wurde unmittelbar nach dem Koreakrieg eröffnet, bestand über fünf Jahre hinweg und leistete einen gewichtigen Beitrag zum Wiederaufbau des zerstörten Landes.

Für das Deutsche Rote Kreuz entwickelte es sich zu einer der aufwendigsten Missionen seines Bestehens überhaupt. Rund 250.000 Menschen wurden dort behandelt, viele davon Kriegsflüchtlinge. Seither aber ist diese Geschichte weitgehend in Vergessenheit geraten und erfährt erst in den letzten Jahren eine Neubewertung und Würdigung, insbesondere von koreanischer Seite. Für diesen Band, der parallel auch auf Koreanisch erschienen ist, konnten wir viele neue Text- und Bildquellen erschließen, er versammelt historische Berichte wie auch Erinnerungen zahlreicher Zeitzeugen. Auch siebzig Jahre nach seiner Eröffnung stiftet das Vermächtnis dieses Krankenhauses eine Brücke zwischen Ost und West.

Anlässlich der Einweihung eines diesem Einsatz gewidmeten Denkmals im Garten des DRK-Generalsekretariates haben wir das Buch am 8. Mai offiziell vorgestellt. Das Foto zeigt rechts neben dem Autor Kang Jung-ai, die Ministerin für Patrioten- und Veteranenangelegenheiten der Republik Korea, Mitherausgeber Rainer Schlösser und Lim Sang-beom, den koreanischen Botschafter in Berlin.

 

Erkundung eines Miniaturkontinents

Vormittags Eisklettern, nachmittags Strandpromenade. Frühstück im Karst, Picknick in der pannonischen Tiefebene. Kein anderes Land in Europa bietet eine derartige landschaftliche und kulturelle Vielfalt auf so kleinem Raum wie Slowenien. Als Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse wird es sich insbesondere als Leseland präsentieren, und ich stehe nicht an zu sagen als literarische Großmacht.

Zusammen mit Irene Hanappi habe ich Slowenien einen Band in der Reihe Lesereisen des Picus Verlags gewidmet. Wir haben uns an literarische Schauplätze und verwunschene Orte begeben, huldigen kulinarischen Kultstätten und betörenden Naturwundern, entdecken Dörfer, die ihre Seele bewahrt haben, und Städte, die sich neu erfinden. So nimmt Slowenien Konturen an als Scharnier zwischen Mittel- und Südosteuropa.

Eine animierende Begleitlektüre vor, während und nach der Reise, oder auch anstatt.

 

Picus-Verlag, Wien, 2023
132 Seiten, gebunden, 16 €
ISBN 978-3-7117-1118-2

 

 

Auf Einladung  des Gastlandes Slowenien  haben wir es am 20. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt.

Auf ein Neues

Im Oktober 2021 ist mein Buch über das Schicksal der Przewalskipferde erschienen, in ihrem mongolischen Streifgebiet auch Tachi genannt. Es ist ein Versuch in eurasischer Heimatkunde, mit dem Pferd als Leittier. Der Bogen reicht von München bis nach Peking und von Lascaux bis Tschernobyl.

Auf ausschweifenden Exkursionen durch Raum und Zeit erkunde ich die Welt der Steppe, die sowohl Europa wie auch China stets verkannt und geringgeschätzt haben. Obwohl gerade sie es ist, die die beiden Erdteile zusammenspannt. Die Pferde aber wissen darum.

Ihr Geschichte mutet an wie eine Fabel – und ist doch reine und oft genug auch bittere Wirklichkeit. Sie steht exemplarisch für die vertrackte Beziehung des Menschen zur Natur. Ein Schulbeispiel für den Artenschutz, öffnet sie den Blick in die Geschichte wie auch in die Zukunft des Lebens auf der Erde.

Galiani Berlin, 460 Seiten, mit Fotos, 25 € (für 19,99 € auch als eBook). ISBN 978-3-86971-213-0

Die spanische Ausgabe ist Anfang 2024 bei Libros del Jata erschienen.

« Eine unglaubliche Reise. Und ein wundervolles, toll recherchiertes Buch », befand Radio Eins des RBB. « Wortmächtig und mit Blick fürs Detail » titelte die  taz  in ihrer Weihnachtsausgabe, pries das Buch als eine « großformatige, packende Erzählung » und stellte es als « beste Reiseliteratur » an die Seite von Sylvain Tessons Schneeleopardstern.de  empfahl es als « eine großartige Kulturgeschichte » und als « ein Lern- und Lesevergnügen auf hohem sprachlichem Niveau », während Peter von Becker  es im  Tagesspiegel  als « eine hochgebildete, bis in Poetische glänzende Naturgeschichte » würdigte.  Cord Riechelmann hielt es in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung  für « das wohl außergewöhnlichste Buch, das je über Pferde geschrieben wurde ». « Eine großartige, epische Erzählung. Und ein Krimi noch dazu », applaudierte die Süddeutsche Zeitung. Die Presse  befand kurz und bündig: « Ein fantastisch geschriebenes Buch. »

Die nächste Lesung findet am 20. Juni in München statt, in Kooperation mit dem Salonfestival (19:30, bitte rechtzeitig anmelden).

Die Premiere haben wir gemeinsam mit dem Tierpark Berlin gefeiert:

Im April 2022 stand ein internationales Kolloquium in Saumur an, dem Vatikan der französischen Reiterei. Und zu den Schwerpunktthemen im Rahmen der französischen Präsidentschaft des Europäischen Rates gehörte – richtig: das Pferd.  Auf Einladung des  Institut français du cheval et de l’équitation (IFCE)   habe ich dort mit illustren Fachleuten über die wirtschaftliche, kulturelle, sportliche und therapeutische Bedeutung des Pferdes diskutiert.

 

Einer von ihnen war der famose Jean-Louis Gouraud, der gern als Frankreichs Pferdepapst apostrophiert wird. Unter seiner Federführung hat nun ein Kollektiv von Autoren eine Enzyklopädie der Pferdefrauen herausgebracht, die rund fünfhundert notorische Amazonen aus aller Herrinnen Länder und Zeiten versammelt. Kriegerinnen und Jägerinnen sind darunter, Kunst- und Dressurreiterinnen, Fotografinnen und Schriftstellerinnen, Gestütsleiterinnen und Therapeutinnen, und so manche große Reisende.

Zu den Autoren zählen neben Gouraud zahlreiche renommierte Pferdeleute und Literaten wie etwa Jean-Pierre Digard, Claire Veillères, Sylvain Tesson, Maria Franchini und Tiffany Tavernier. Auch ich habe eine Handvoll Biogramme beigesteuert. Darunter Erna Mohr, die als Kustodin am Zoologischen Museum Hamburg das Zuchtbuch für Przewalskipferde initiierte und damit maßgeblich zum Überleben dieser „zoologischen Kostbarkeit“ beitrug. Auch eine so romantische Gestalt wie Catherine de Bourboulon durfte natürlich nicht fehlen: Sie begab sich 1862 zu Pferd auf die wohl längste Reise, die im 19. Jahrhundert zu Lande unternom­men worden ist, von Peking nach Paris. Linda Tellington-Jones wird ebenso gewürdigt wie ihre Freundin und Weggefährtin Ursula Bruns, deren Bücher zum Besten gehören, was in deutscher Sprache über Pferde geschrieben worden ist.

Der gut 700 Seiten starke Band ist im April 2024 bei Actes Sud herausgekommen.

Chapeau!

Für sein Buch Mit Montaigne auf Reisen ist Gaspard Kœnig 2023 mit dem „Eisernen Gustav“ ausgezeichnet worden, dem Preis der VFD zur Förderung der Reise- und Arbeitskultur zu Pferde. Ich hatte die Ehre, die Laudatio auf ihn halten zu dürfen. Da es ihm aus Termingründen nicht möglich war, den Preis im Rahmen der Feier zum 50jährigen Bestehen persönlich entgegenzunehmen, haben wir die Verleihung vorher aufgezeichnet.

Radiotipps: Im April habe ich mit Birgit Kolkmann die  Gesprächszeit  bei Radio Bremen bestritten.

Das folgende Interview führte Silke Super im Herbst für Radio Eins:

Kundfahrten durch Europa

Nach dem großen Erfolg der kleinen Deutschland-Fibel hat die taz nun auch einen Band  Europa für Eigensinnige  herausgebracht. Er ist im Frühjahr 2023 im BeBra Verlag erschienen, herausgegeben von Edith Kresta. Zwei Dutzend Autorinnen und Autoren erzählen darin von Fernreisen durch den eigenen Kontinent; ich habe drei Geschichten beigesteuert. Insgesamt 272 Seiten Lesestoff, kurzweilig, flächendeckend und facettenreich.

Als kleinen Vorgeschmack hier ein paar Impressionen vom Peaks of the Balkans Trail, einem Fernwanderweg durch Albanien, Montenegro und das Kosovo. Am 26. September stellen wir das Buch bei Schropp in Berlin vor.

Musik der Steinzeit?

Die Höhlen der Schwäbischen Alb erlebten die Morgenröte von Kunst und Kultur. Neben prähistorischen Tierfiguren und Schmuck wurden dort kürzlich auch mit die ältesten Musikinstrumente der Menschheit entdeckt, rund 40.000 Jahre alte Knochenflöten. Heute erwecken Musiker und Archäologen in ganz Europa das musikalische Erbe der Steinzeit wieder zum Leben. Auch wenn sie in vielem auf Vermutungen angewiesen sind – die Ursprünge der Musik bilden ein faszinierendes Forschungsfeld und eine künstlerische Inspiration dazu. Ich bin diesen Klängen nachgegangen - der Bayerische Rundfunk brachte die Sendung imMai 2023 auf BR 2.

 

 

Vom Eise befreit

Bis in die fünfziger Jahre, schrieb Margaret Atwood einmal, „kannten auch Kanadier Eskimos nur aus der Eiskremwerbung“. Erst spät entdeckte Amerika die wilde Schönheit seines hohen Nordens. Der freilich auch nur schwer zugänglich ist. Seit einigen Jahren aber bieten kleine, eisgängige Kreuzfahrtschiffe eine vergleichsweise komfortable Möglichkeit, in diese unwirtlichen Gefilde vorzustoßen. So auch in die Nordhälfte der Provinz Québec. Für den Sonntagsspaziergang.des Deutschlandfunks habe ich mich aufgemacht in eine Welt, in der nicht nur das Klima sichtlich im Wandel begriffen ist. Zu hören gab es das Stück im Mai 2022.

 

Spione der Wildnis

Der Neusiedler See zählt zu den eigentümlichsten, um nicht zu sagen exotischsten Naturlandschaften Mitteleuropas. Über dreihundert Vogelarten dient das große, seichte Steppengewässer als wertvolles Refugium. Ein grenzüberschreitender Nationalpark versucht diese Wasserwildnis auf österreichischer wie auf ungarischer Seite zu schützen. So stiftet die Natur eine wichtige Gemeinsamkeit in einer Region, die immer Grenzland war. Für den Bayerischen Rundfunk bin ich rund um den See auf Pirsch gegangen; zu hören gab es den Beitrag im August 2023 auf BR 2. 

Mit Dank zurück

„Und doch muß man China als ein unverstandenes,
fast möchte man sagen unbekanntes Land bezeichnen.“

Ferdinand Freiherr von Richthofen

Seit zwanzig Jahren berichte ich nun aus China. Als Querschnitt daraus ist in der Reihe Lesereisen des Picus Verlags  ein Band mit literarischen Reportagen erschienen: China – Streifzüge durch ein Weltreich. Er schildert, wie Dorfschullehrer Li Jia-hong eine neue Menschenaffenart entdeckte. Oder wie Seilläufer Saimaiti Aishan hoch über der Schlucht eine Entscheidung traf. Wie Datong seine Vergangenheit neu erfand und Schanghai seine Zukunft. Und wie Zhao Tao mit der uralten Kunst des Erzählens nicht nur ein ganzes Dorf in ihren Bann zog, sondern ihren künftigen Ehemann gleich mit.

Übersetzt von Zhu Liangliang, ist die chinesische Ausgabe nun Ende 2020 bei der Commercial Press erschienen, Chinas ältestem noch bestehenden Verlag. Sie enthält noch ein paar Geschichten mehr als die deutschsprachige. 

Schon im Vorfeld haben einige Zeitungen größere Berichte über meine Arbeit gebracht, etwa China Daily und die Global Times, dazu die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua.

 

Herausforderung Pferd

Mein Buch über das Reisen zu Pferd, das vor drei Jahren bei Picus  herauskam, ist nun auf Französisch bei Delachaux et Niestlé  erschienen.

Das Glück auf Erden erzählt von einer gänzlich anderen Art des Unterwegsseins. Dafür habe ich Völker besucht, die eine jahrhundertealte Reitkultur besitzen, und spektakuläre Landschaften durchstreift, die ohne die für sie gezüchteten Rassen kaum je besiedelt worden wären. Wir begeben uns auf legendäre Wanderritte und Trekkingtouren, wir sitzen bei Beduinen am Lagerfeuer, überqueren mit Islandponys ganze Gletscher, besuchen stimmungsvolle Pferdefestivals, wir pirschen im Sattel auf Nashörner und ziehen hoch zu Ross durch die Vogesen. Von den prähistorischen Felsmalereien bis zu den „Pferdeflüsterern“ unserer Tage werden dabei Jahrtausende gemeinsamer Geschichte lebendig.

Für die französische Ausgabe habe ich einige Kapitel etwas erweitert; das Vorwort stammt von keinem Geringeren als Jean-Louis Gouraud, der den Diskurs über Pferde in Frankreich über Jahrzehnte hinweg mitgeprägt hat.

 

2020 kam die Taschenbuchausgabe im Unionsverlag heraus.

 

Unlängst hat der Sonntagsspaziergang des Deutschlandfunks ein längeres Gespräch mit mir gebracht, über das Pferd als Reisegefährten. Eine kleine akustische Weltreise hoch zu Roß, mit einigen Zuspielungen aus meinem Schallarchiv. Der Beitrag dauert etwa eine halbe Stunde.

... und los!

Auch der Hessische Rundfunk brachte eine längere Besprechung. Das Buch, so hieß es darin, enthalte „wunderbar geschriebene Reportagen" und sei zugleich „eine kluge Abhandlung über das Verhältnis von Pferd und Mensch. ... Ausgesprochen lesenswert – nicht nur für Pferdenarren und –närrinnen."

Hier können Sie den Beitrag nachhören:

... und los!

„Ein Lesebuch im besten Sinne. Es begeistert durch Schomanns virtuose Sprachkunst und sein unglaubliches Hintergrundwissen. Es sollte zur Pflichtlektüre eines jeden Pferdefreundes gehören.“

Das Islandpferd

Geschichten, die das Leben schrieb

Im Juni 2023 ist nun bereits der dritte Band im Rahmen des großangelegten Zeitzeugenprojektes des DRK herausgekommen. Dieses noch andauernde Unterfangen dürfte sowohl von seinem Umfang wie von seiner professionellen Durchführung her ohne Beispiel sein, und es besitzt über die Sphäre des Roten Kreuzes hinaus zeitgeschichtliche Bedeutung. Der neue Band präsentiert Erinnerungen aus dem Hamburger Roten Kreuz; gemeinsam mit Volkmar Schön und Hans-Christian Bresgott habe ich ihn herausgegeben. Er erscheint wieder bei der Akademischen Verlagsgemeinschaft München.

Bewusst haben wir für diese Bücher die Form der mündlichen Überlieferung gewählt. Sie stellt die bei weitem älteste und universellste Gattung des Erzählens dar. Die großen Epen der Völker wurden über zahllose Generationen auswendig weitergegeben und erst viel später schriftlich fixiert. Dem mündlichen Bericht wohnt eine Kraft und Unmittelbarkeit inne, die keine noch so raffinierte schriftliche Form einzuholen vermag. Mehr dazu auf den Bücherseiten.

Stadt, Land, Fluß

Das bevorzugte Verkehrsmittel für meine ersten Reisen war die Phantasie. Ich war geographisch, so wie andere musikalisch waren. Mit den Fingern auf den Landkarten erkundete ich imaginäre Imperien. Parallel bescherte uns der Tierpark Hellabrunn beglückende Welt- und Zeitreisen. Für die taz bin ich diesen meinen Mythen nachgegangen. Eine Münchner Kindheit um 1970, zwischen Schuttberg und Zaubergarten, nachzulesen in der Ausgabe vom 21./22. Februar.

 

„Die Sonne, der Wein und der Wind der Zeiten“

Armenien, dieses kleine Land am Südhang des Kaukasus, verfügt über alte und fruchtbare musikalische Traditionen. Doch durch die Massenmorde während des Ersten Weltkriegs und sieben Jahrzehnte Sowjetherrschaft war die Verbindung zu diesem Kulturkreis weitgehend unterbrochen. So dass die westliche Welt erst jetzt entdeckt, welche Reichtümer er hervorgebracht hat. Die liturgischen Gesänge gehören zur ältesten schriftlich überlieferten Musik der Welt. Ihre Bedeutung für das kulturelle Überleben der armenischen Nation kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Es ist eine Musik wie vom Grunde der Zeit, von fremdartiger Schönheit und spiritueller Kraft. Darin sind vorchristliche Kulte ebenso aufbewahrt wie die Lieder umherziehender Barden. Komponisten wie Tigran Mansurian oder Wache Scharafjan schöpfen aus diesem Fundus, und selbst die Jazz- und Pop-Szene kommt immer wieder darauf zurück. Zugleich todtraurig und voller Lebensfreude, schlägt diese Musik eine Brücke zwischen Orient und Okzident.

 

Für den Band Musik öffnet Welten habe ich einen Essay über den außerordentlichen Rang der armenischen Musik geschrieben, aber auch über gewisse Schwierigkeiten, sie zu Gehör zu bringen. Der Sammelband, der vom Institut für Auslandsbeziehungen und vom Deutschen Musikrat herausgebracht wird, widmet sich vor allem der Rolle von Musik in den internationalen Beziehungen. Er ist Ende 2019 im Steidl Verlag erschienen, herausgegeben von Ronald Grätz und Christian Höppner. Mittlerweile liegt auch eine englischsprachige Ausgabe des Buches vor. 

Anfang Februar habe ich, zur Einstimmung auf ein Gastspiel des Berliner Konzerthausorchesters in Salzburg, dort auch einen längeren Vortrag über armenische Musik gehalten.

and the winner is ...

 

Parallel habe ich mich seit einiger Zeit auch mit der armenischen Diaspora beschäftigt. Und dabei für die Initiative der 100Lives einige Familiengeschichten aufgezeichnet. Ein wahrhaft episches Unterfangen, das eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Shoah-Projekt hat. Zuletzt erschien dort ein Porträt von Hratch Kaprielian.

Ein anderer Gesprächspartner war der Architekt Michel Mossessian. Als Sohn armenischer Flüchtlinge in Paris aufgewachsen, zählt er zu den international gefragtesten Architekten seiner Generation. Nun hat der heute 56jährige einen weiteren Wettbewerb für sich entschieden – den für das Museum des islamischen Glaubens in Mekka. Toutes mes félicitations, Michel! 

„Orte zu schaffen, denen die Menschen sich zugehörig fühlen“, so umschreibt Mossessian die wichtigste Aufgabe seines Berufsstandes. Vor elf Jahren eröffnete er ein eigenes Büro in London, wo auch einige seiner bedeutendsten Bauten stehen. Zuvor bin ich seiner Arbeit bereits in Katar begegnet, wo er beim Großprojekt von Msheireb im Zentrum von Doha als einer der federführenden Architekten agiert.

 

Das Fest der Erzähler

Einmal im Jahr treffen sich Geschichtenerzähler aus ganz China zu einem großen Festival in einem unscheinbaren Dorf in Henan. Mit 1500 Teilnehmern und 300.000 Zuschauern zählt es zu den größten Volkskunstfesten der Welt.

Über alle historischen Umbrüche hinweg ist in China ein unverlierbarer Kern mündlicher Überlieferungen lebendig geblieben. Gemeinsam mit dem Fotografen Justin Jin war ich bei diesem Festival mit von der Partie und habe dort die Faszination einer uralten Profession erlebt. Sie führt auch an die Ursprünge unseres eigenen Metiers: Sprich mir, o Muse ...

Erschienen ist die Reportage in Terra Mater; in voller Länge ist sie im neuen China-Buch enthalten. Dafür habe ich jetzt eine Auszeichnung besonderer Art erhalten: Ich bin in aller Form zum Ehrenbürger von Ma Jie ernannt worden, und zum "Kulturbotschafter" obendrein. Beim Festakt im „Chinesischen Museum der Erzähler“ traten auch eine Reihe örtlicher Künstler auf. Anschließend folgte ein Hausbesuch bei Yü Shu-xi, dem Lokalmatador, der seit über achtzig Jahren am Festival teilnimmt. Jahrgang 1919, bezeichnete er mich neckisch als „jungen Spund“. Und gab aus dem Stegreif eine Privatvorstellung, zusammen mit einem 65jährigen Schüler … Anbei ein paar Bilder von der Feierstunde und ein Beitrag des regionalen Fernsehsenders.

... und los!

Fernsehbericht zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde von Ma Jie und zum Festakt im "Chinesischen Museum der Erzähler"

 

Italienische Reise

 

Im Hörverlag ist jetzt ein Hörbuch über unser aller Sehnsuchtsziel herauskommen. Es enthält auch zwei größere Geschichten von mir.

Einmal wandle ich auf den Spuren Antonio Vivaldis durch Venedig – auf Spuren, die merkwürdigerweise kaum mehr auszumachen sind, als hätte er in Wahrheit anderswo gelebt.

Und ich spüre dem Mythos der Dolomiten nach, diesem Inbegriff alpiner Faszination. Die Büllelejoch-Hütte liegt mittendrin im großen Felsentheater und doch ganz gut versteckt.

Vom Reisen und vom Schreiben

Im Rahmen eines Seminars über Reiseliteratur und –journalismus hat die Schriftstellerin, Übersetzerin und Literaturvermittlerin Alice Grünfelder mit mir ein längeres Gespräch über Fragen des Metiers geführt. Ein bißchen plaudere ich dabei auch aus dem Nähkästchen beziehungsweise Federmäppchen.

 

Nächste Runde

Dank der erfreulich starken Nachfrage ist mein Buch über die Geschichte des Roten Kreuzes (Im Zeichen der Menschlichkeit; DVA) in zweiter Auflage erschienen. Die Gesamtauflage beträgt nun rund 24.000. Eine Leseprobe und weitere Informationen zum Thema finden Sie hier.

Die Erstlesung fand im Oktober 2013 im Literaturhaus Stuttgart statt, im Vorfeld der Feierlichkeiten zum 150jährigen Bestehen der Hilfsorganisation. Der Württembergische Sanitätsverein war seinerzeit die weltweit erste nationale Rotkreuzgesellschaft. 

Inzwischen habe ich rund dreißig Lesungen damit gegeben.